„Das Große Wundenlecken“ in der Brechtbühne erstickt an sich selbst

Von Frank Heindl

Ein bisschen korrespondiert Gerasimos Bekas‘ großes Wundenlecken in der Brechtbühne mit „If dogs run free“ im Hoffmannkeller: Viel Gerede, viele Phrasen, viel Sarkasmus – aber zu wenig Zusammenhang und Sinn. Und auch: zu wenig Theater.

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Anbetung des griechischen Erbes: Sebastián Arranz (hinten), Marlene Hoffmann (links), Jessica Higgins (rechts) und Anton Koelbl (vorn) beim philosophisch angehauchten „Marmor-Yoga“ (Foto: Kai Wido Meyer).

 

Jessica Higgins, Marlene Hoffmann und Anton Koelbl tun beim „Wundenlecken“ ihr Bestes, um sich von Guru Sebastián Arranz ausnehmen, schikanieren und belabern zu lassen. Doch am Schluss muss der Möchtegern-Weise, der Großkotz-Yogalehrer aus Argentinien, der sich eine griechisch-philosophische Herkunft erfunden hat, beim verschärften Waterboarding erfahren, dass europäische Werte sich heute mehr an den USA orientieren. Dazwischen aber passieren vor allem Worte, Sätze, Gedanken, die theatral zu illustrieren sich die Inszenierung von Sapir Heller schwer tut. Und die zu illustrieren sich auch nicht unbedingt gelohnt hätte. Für eine Satire ist der Text zu banal: „Zweifelt nicht, seid gleichgültig“ – „Seien wir realistisch: ertragen wir alles Mögliche“ – „Wo Gleichheit nicht bestehen kann, ist Gleichgültigkeit die Lösung“ – oder einfach „Oans – zwoa – wurscht“ und darauf ein kräftiges „Yogaholladirüh“ – das sind schon witzige Bosheiten gegen Yogahype, Meditationsmode und Esoterik-Weltflucht. Aber dass es beim Meditieren dann doch meistens ums Geldverdienen geht, haben in Augsburg schon 1997 Herr und Frau Braun in ihrem – von mir damals in der AZ nicht unbedingt positiv besprochenen – Bühnenprogramm „GlobalLokalBrudal“ auf den einen oder anderen Punkt gebracht.

Das wussten wir doch alles schon…

Auch dass deutsche Kriegsverbrecher von der deutschen Justiz nichts zu befürchten hatten, weiß mittlerweile jeder, und „Ich habe einen Großvater, der mal in Griechenland war – 1941“ ist ein eher schaler Witz über die „gemeinsame“ Vergangenheit von Deutsch- und Griechenland. Dass Augsburg schon 1933 ein Hort des Antifaschismus war und bis heute geblieben ist, haben wir geahnt, seit wir wussten, dass die Deutschen eh nie von irgendwas gewusst haben – und das wiederum wissen wir seit 1945. Noch ein paar Schlager mit Griechenland-Parfum von Udo Jürgens bis Mireille Mathieu, dann ist der Abend verlabert und Yoga-Janis erstickt vor allem an seinem eigenen Geschwätz.

 

Die nächsten Vorstellungen von „Das große Wundenlecken“ in der Brechtbühne am 6. (19.00 Uhr) und 11. November (19.30 Uhr), weitere im Spielplan.