Nur die Einsamkeit ist schon da

„Not Here Yet“ – großartige Fotografie-Ausstellung im H2 Zentrum für Gegenwartskunst

Die Vernissage am Freitagabend war möglicherweise gar nicht der richtige Zeitpunkt, um diese Ausstellung anzuschauen. Für „Not Here Yet“ braucht es Ruhe und ein wenig Kontemplation. Ich werde demnächst nochmal hingehen und kann das nicht nur Fans der Fotografie empfehlen.

Elf renommierte Foto-Künstler haben die Kuratoren für „Not Here Yet“ angeworben, und H2-Chef Thomas Elsen betont, alle elf seien Wunschkandidaten gewesen, keiner zweitrangig oder Ersatzmann. Eine „Sammlung von Erfahrungen“ nennt seine Kuratoriums-Kollegin Celina Lunsford die Ausstellung. Und in der Tat haben die Künstler viel zum Thema (übersetzt etwa: „noch nicht angekommen“) zu zeigen – aber nicht auf den ersten Blick.

Einsamkeit herrscht vor in den Werken (auch Video und Installation gehören dazu), und die Frage, wer da an welchem Ziel noch nicht angekommen ist, bleibt oft unbeantwortet. Am drastischsten bei Hamish Fulton, dessen Schwarz-Weiß-Arbeiten die Wanderungen des Fotografen durch grandiose Berglandschaften dokumentieren. In der Schweiz wie in Nepal hat der Künstler seine Arbeit als erweiterte Meditation begriffen, mehrwöchige Fußmärsche mit nur wenigen Fotos. Seine Bilder zeigen eine grenzenlose Einsamkeit, die sich auch bei den anderen Künstlern wiederfindet. Während diese Einsamkeit bei Fulton eine gewollte und gesuchte ist, kommt sie beispielweise in Vitus Soloshankas Arbeiten von anderswo. Der angetrengte (?), erwartungsvolle (?) Blick eines blonden Kindes, das wartend (?)  an einem Straßenrand in der Nähe von Sotschi steht – das Auge des Betrachters sucht und findet Erklärungsmöglichkeiten, interpretiert schon beim Sehen – aber es gibt keine Eindeutigkeiten. (mehr …)

Dunkle Portraits und Ironie

Im Kunstverein: Saul Fletchers „Trauma” Er ist Brite, lebt aber in Berlin. Saul Fletcher, Jahrgang 1967, stellt im Kunstverein Augsburg unter dem Titel „Trauma“ mehrere Werkgruppen vor: Selbstporträts, Landschaftsfotografien und einige Bilder und Skulpturen. Das Besondere an Fletcher: Viele seiner Werke sind nur auf Fotografien zu sehen. Er bemalt eine Wand und fotografiert sich selbst oder ein Model vor diesem Hintergrund. Das Ergebnis eines solchen Schaffensprozesses, der ihn oft ein ganzes Jahr lang beschäftigt, ist dann ein Foto – zumeist sehr klein, manchmal kleiner als das (großformatige) Negativ, das dem Abzug zugrunde liegt. Zehn bis 20 Bilder entstehen so pro … Continue reading „Dunkle Portraits und Ironie“