Das Festivalbüro serviert Appetithäppchen

„Ändere die Welt, sie braucht es“, heißt es in Brechts „Die Maßnahme“. Unter diesem Motto will das Brechtfestival im kommenden Jahr (3. bis 12. März) den Dichter und sein Werk mit „brennenden gesellschaftlichen Debatten konfrontieren und unvermutete Entsprechungen zwischen Brechts politischem Denken, seiner Theaterästhetik und unserer immer komplexer werdenden Gegenwart suchen“, so kündigt es die Festivalleitung in einer Pressemitteilung vom Montag an.

Kürzlich schon war das Berliner Theater „RambaZamba“ mit seiner Produktion „Der gute Mensch von Downtown“ angekündigt worden – mit Eva Mattes und einem Ensemble von Menschen mit Down-Syndrom. Ebenso war bekannt geworden, dass der Themenbereich Feminismus/Chau­vinis­mus im Festival an prominenter Stelle Platz bekommen soll (über beides habe ich hier berichtet). Nun legen die Veranstalter mit einer weiteren Ankündigung nach: Zur Eröffnung gibt es am 3. März auf dem Gaswerk-Areal Brechts umstrittenes Lehrstück „Die Maßnahme“ als erste von zwei Eigenproduktionen des Festivals.

Die Maßnahme gab’s beim Brechtfestival schon 2012

Für Augsburg und das Brechtfestival ist die „Maßnahme“ nicht neu: David Brückel hat das Stück schon 2011 in einer bemerkenswerten Inszenierung im Textilmuseum gezeigt (hier meine damalige Ankündigung und hier die Besprechung der Aufführung). 2017 werden wir wohl etwas anderes erleben: Regie soll der als „Multitalent“ gehandelte  Selçuk Cara führen. Er ist als Opernsänger, Bestseller-Autor („Türke, aber trotzdem intelligent“), Opern- und Filmregisseur erfolgreich. Und er will Brechts umstrittenen Stoff „mit Blick auf die aktuelle politische Situation interpretieren“ – möglicherweise wohl anders, als David Brückel sechs Jahre früher getan hat.

Bis dahin freuen wir uns erst mal auf die nächsten Appetithäppchen, die uns das Festivalbüro hoffentlich bald servieren wird…

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Selçuk Cara steht auf der Bestsellerliste des „Spiegel“ – und inszeniert in Augsburg demnächst Brechts „Maßnahme“.